TECHNISCHE FUNKTIONSWEISE

Wie AU.RO.RA einen Text analysiert

Vom Text zum mathematischen Vektor – 256 Dimensionen, 64+ Detektoren, 30+ logische Regeln.

Das Grundprinzip: Vom Text zum Vektor

AU.RO.RA liest keinen Text wie ein Mensch. Es wandelt den Text in Zahlen um – genauer: in einen Vektor mit 256 Dimensionen. Das ist wie ein Koordinatensystem mit 256 Achsen, in dem jeder Text einen eindeutigen Punkt bekommt.

📐 256 Dimensionen – warum?

Ein Text hat sehr viele Eigenschaften: Satzlängen, Wortwiederholungen, Zeitbezüge, emotionale Ausdrücke, Fachbegriffe, Satzstrukturen, etc. Jede Eigenschaft wird zu einer eigenen Achse im Raum.

🟢 Ein normaler Satz

landet an einer bestimmten Stelle im Raum.

🟡 Ein Satz mit vielen Zeitbrüchen

landet an einer ganz anderen Stelle.

🔴 Ein Satz mit ungewöhnlich vielen Fachbegriffen

landet wieder woanders.

Je weiter zwei Texte in diesem Raum voneinander entfernt sind, desto unterschiedlicher sind ihre strukturellen Muster.

Die drei Analyse-Ebenen

AU.RO.RA arbeitet mit drei parallelen Ebenen – alle laufen gleichzeitig.

📊 Ebene 1: 64+ linguistische Merkmalsdetektoren

Kleine Programme, die bestimmte strukturelle Muster im Text zählen – keine inhaltliche Bewertung.

Beispiele: Zukunftsbezüge, Ich-Referenzen, Fachbegriffe, Unsicherheitsmarker.

⚖️ Ebene 2: Logische Konsistenzprüfung

Prüft, ob der Text in sich widersprüchlich ist – mit 30+ deterministischen Regeln.

Beispiele: Wissensparadox, zeitliche Inkonsistenz, emotionale Asymmetrie.

🧠 Ebene 3: Strukturpsychologische Merkmale

Untersucht das sprachliche Selbstbild – rein deskriptiv, ohne Diagnose.

Beispiele: Selbst-Umwelt-Differenzierung, narrative Konsistenz, Selbstreflexion.

⚠️ Wichtig: AU.RO.RA bewertet keine Inhalte. Es weiß nicht, ob ein Satz „gut“ oder „böse“ ist. Es zählt nur strukturelle Merkmale wie Zeitformen, Satzstrukturen oder Ich-Bezüge.

Regex und Patterns – Was sie tun und was nicht

❌ Kein Pattern Matching im klassischen Sinne

AU.RO.RA sucht nicht nach bestimmten Wörtern wie „Banküberfall“ oder „Liebe“. Es sucht nach formalen, strukturellen Mustern.

Pattern Was es zählt Was es NICHT zählt
\b(werde|wirst|wird)\b Zeitform (Zukunft) Bedeutung des Satzes
\b(ich|mir|mich|mein)\b Ich-Referenzen Was der Autor über sich sagt
\b(weil|da|denn|deshalb)\b Kausale Verknüpfungen Ob die Begründung stimmt
📝 Beispiel: „Ich werde morgen die Bank überfallen.“

✅ AU.RO.RA erkennt: Zukunft („werde“), Ich-Referenz („ich“), Zeitangabe („morgen“)

❌ AU.RO.RA erkennt NICHT: dass es sich um einen Banküberfall handelt

Ein reiner Pattern-Matcher würde sagen: „Ah, Banküberfall! Gefährlich!“
AU.RO.RA sagt: „Der Text enthält Zukunftsbezüge und Ich-Referenzen – das sind neutrale strukturelle Fakten.“

Was die Algorithmen genau tun

📥 1. Merkmalsextraktion

Der Text wird Zeichen für Zeichen durchgegangen. Für jedes Merkmal wird gezählt. Am Ende liegen 64+ Zahlen vor.

Vergleichbar mit einem Blutbild: 64 verschiedene Werte werden gemessen – neutral und deskriptiv.

⚙️ 2. Regelbasierte Konsistenzprüfung

Die 30+ logischen Regeln werden eine nach der anderen angewendet. Jede Regel prüft ein bestimmtes Muster.

Ist die Bedingung erfüllt? Ja/Nein – reine Mathematik, keine Interpretation.

🔗 3. Fusion der Ergebnisse

Alle Ergebnisse werden zusammengeführt. Jedes erkannte Muster bekommt eine Gewichtung.

Am Ende steht eine Zahl zwischen 0 und 100 – ein deskriptiver Index.

📊 Der Index (0-100) sagt: Wie viele strukturelle Auffälligkeiten wurden im Text gefunden?
Er sagt NICHT: Ob der Autor lügt, ob er gefährlich ist, oder ob er eine Straftat begangen hat.

Warum AU.RO.RA keine „Lüge“ erkennt

⚠️ Um eine Lüge zu erkennen, müsste das System wissen, wie die Wahrheit aussieht.

AU.RO.RA hat keinen Zugriff auf eine „objektive Wahrheit“. Es kennt nur den Text. Es kann also niemals sagen, ob etwas wahr oder falsch ist.

Was AU.RO.RA kann: Es kann sagen: „Dieser Text weicht in seiner Struktur von anderen Texten ab.“
Ob das etwas mit Lüge zu tun hat, muss ein Mensch entscheiden.

✅ AU.RO.RA erkennt: Strukturelle Brüche, Stilbrüche, zeitliche Auffälligkeiten, semantische Drifts, verborgene Muster.
❌ AU.RO.RA erkennt nicht: Ob eine Aussage wahr oder gelogen ist.

Zusammenfassung – AU.RO.RA im Überblick

Wie funktioniert es?

Text → 256-dimensionale Vektoren → 64+ Detektoren → 30+ Regeln → deskriptiver Index (0-100).

Warum nutzt es Regex?

Um formale, strukturelle Muster zu erkennen – nicht inhaltliche.

Ist das Pattern Matching?

Nein. Pattern Matching sucht nach Inhalten. AU.RO.RA sucht nach Strukturen.

Erkennt es Lügen?

Nein. Es erkennt strukturelle Auffälligkeiten. Die Interpretation bleibt beim Menschen.

AU.RO.RA ist ein Werkzeug zur Strukturanalyse – kein Lügendetektor, keine Blackbox, keine KI, die Inhalte bewertet. Es ist ein mathematisches Messgerät für Texte, vergleichbar mit einem Spektrometer für Licht oder einem Seismographen für Erdbeben.